Ein Erlebnisbericht von Verena Hajek:

Einen Start beim Vienna City Marathon, dem größten Laufsport-Event Österreichs, hatte ich schon seit einigen Jahren geplant. Als ich dann im Frühjahr 2015 erfuhr, dass Lauffreunde der LG Donatus Erftstadt im Folgejahr dort laufen wollten, meldete ich mich schon am 27. Juni 2015 an und kam so noch rechtzeitig in den Genuss des günstigsten Startpreises von 68 € für die ersten 1000 Anmeldungen.

Am Sonntag, den 10. April sollte das ’Theatre of Emotions’ (so die Ausschreibung) über die Bühne gehen.

Zwei Tage vorher landete ich bei grauem Regenwetter am Flughafen Schwechat. Dies hielt auch am Samstag an, aber bis zum Start am Sonntag sollten laut Vorhersage die Regenschauer zum Großteil vorüber sein.

Am 9.4. begab ich mich zur Wiener Messe mit ihren Präsentationsständen und ließ dort im Auftrag des KölnMarathon die entsprechenden Flyer auslegen. Anschließend holte ich meine Startunterlagen ab. Angesichts des knapp bemessenen Kleiderbeutels kam ich ins Grübeln, wie ich meinen dicken Winteranorak, den ich angesichts des kühlen Wetters vor und nach dem Lauf anziehen wollte, darin verstauen sollte. Warenproben oder Ähnliches fanden sich übrigens nicht im Kleiderbeutel. Anschließend fuhr ich mit der U-Bahn zur Pasta- bzw. Kaiserschmarren-Party ins Rathaus. In der beeindruckenden Kulisse des großen Festsaals standen die Läufer dicht gedrängt an Stehtischen, um die mit 12,50 € doch recht teure Mahlzeit zu sich zu nehmen. Dabei wurde live klassische Musik von einem Quartett gespielt, anschließend zeichnete eine Sandmalerin zu dezenten Klängen immer wieder andere Bilder auf einer an die Wand projizierten Glasplatte.

Am Wettkampftag war es dann zwar überwiegend dicht bewölkt mit wenigen kurzen sonnigen Abschnitten, aber tatsächlich trocken.

Um 9:00 Uhr sollte der Start auf der Wagramer Strasse neben der ’UNO-City’ erfolgen.

Zum Glück hatte ich genügend Zeitpuffer, um die verschiedenen Wege vor dem Start zurück legen zu können. So hatte man z.B. die LKWs, in denen die Kleiderbeutel verstaut wurden, so ungünstig aufgereiht, dass ich mich durch die Massen der Staffel- und Halbmarathonis durchkämpfen musste, bis ich schließlich ganz am Ende der Schlange den Marathon-LKW mit meiner Startnummer fand. Ich schaffte es knapp bis zum Annahmeschluß um 8:15 Uhr. Dann ging es auf dem gleichen Weg zurück.

Es folgte die übliche Schlange vor den Dixis, bis ich mich in meinen grünen Startblock einsortieren konnte. Bei 7° war es besonders durch den heftigen Wind gefühlt deutlich kälter.

18 Minuten nach dem Start der Elite durfte ich dann endlich die Startlinie überqueren. Der 6. und letzte Startblock brauchte sicher doppelt so lange.

Walzerklänge begleiteten uns, als wir gemeinsam mit Staffel-Läufern und Halbmarathonis Richtung Stadtzentrum losliefen. Daher war es auf der ersten Streckenhäfte recht voll, und immer wieder störten rücksichtslose Slalomläufer den Laufrhythmus. Eine ’blaue’ Linie gab es übrigens nicht.

Auf der Reichsbrücke überquerten wir die ’neue Donau’, die Donauinsel und die Donau. Auf diesem ungeschützten Streckenabschnitt blies ein besonders eiskalter Wind. Erst nach 3,5 km waren Beine und Füße auf Temperatur; meine Hände brauchten noch länger.

Auf einer von mehreren über die Strecke verteilten großen Videowänden wurde live das Rennen der Spitzenläufer übertragen – so blieben auch wir, die wir nicht vor dem Fernseher sitzen konnten, halbwegs informiert.

 

Bis km 3 liefen wir in 2 getrennten Spuren: Wer wie ich in einem Startblock auf der linken Spur gestartet war, stand einige Meter versetzt hinter den Startblöcken der rechten Spur. Diese mussten am Praterstern den längeren Weg rechts herum laufen, während ich den kürzeren Weg links herum nehmen durfte. Unter Androhung der Todesstrafe (Disqualifikation) war es verboten, vorher die Laufstrecke zu wechseln.

Wir bogen links ab auf die Hauptallee durch den Prater. Es lief sich schön durchs Grüne. Hier gab es schon die erste Verpflegungsstelle mit Wasser und Iso. Später wurden zusätzlich noch Bananenstücke und ab km 34 Cola gereicht.

Kurz vor dem Ernst-Happel-Stadion verließen wir den Prater und schwenkten nach rechts Richtung Donaukanal, an dem wir 3 Kilometer lang zurück Richtung Stadtzentrum liefen. Schöne hohe Bürgerhäuser säumten den Weg, ganz Wien kommt einem vor wie ein Museum.

Da ließ es sich verschmerzen, dass das Zuschauerinteresse auf der gesamten Strecke – bis auf wenige Ausnahmen - doch äußerst gering war, was vielleicht auch an dem unfreundlich kalten windigen Wetter lag.

Über die Aspernbrücke gelangten wir auf die andere Seite des Donaukanals und folgten ein Stück dem inneren Ring. Nach dem Museum für angewandte Kunst und dem Stadtpark erreichten wir km 10. Laut Ausschreibung sollten hier wie insgesamt alle 5 km Großuhren stehen. Diese konnte ich allerdings nicht entdecken.

An der Wiener Staatsoper verließen wir den Ring und liefen über die ’Linke Wienzeile’ an der Wien entlang, die allerdings für uns nicht zu sehen war, da sie in einem Graben hinter einer Mauer verläuft. Ein Höhepunkt der Strecke war sicher Schloss Schönbrunn, das wir bei km 16 erreichten. Am Auer-Welsbach-Park bogen wir rechts ab und nahmen schließlich die ca. 4 km lange Mariahilfer-Straße mit ihren vielen Geschäften unter die Füße. Das Gelände wurde abschüssig, und so konnte ich das Tempo wie die meisten anderen erhöhen. Plötzlich gaben alle Gas – mitgerissen von den Halbmarathonis, die jetzt kurz vor km 20 das Ziel ’witterten’. So mancher achtete daher nicht mehr so konzentriert auf die Streckenführung. Geradeaus wies ein recht kleines Streckenschild Halbmarathonläufern den Weg ins Ziel, Marathonis mussten links abbiegen. Zwei Marathon-Spitzenläuferinnen wurden so in die Irre geleitet und mussten am Halbmarathon-Zielband umkehren. So verloren sie wertvolle 2 Kilometer. Übrigens konnte jeder hier von der Marathon- auf die Halbmarathonstrecke wechseln und wurde dann als Halbmarathoni gewertet. Von dieser Option machten offenbar viele Gebrauch.

Nachdem wir die Halbmarathonis verabschiedet hatten, wurde es entspannter. Vorbei am Museumsquartier und dem Volkstheater erreichten wir die Rückseite des Rathauses. Hier traf ich zufällig Läufer der LG Donatus wieder, die mich anfeuerten, nachdem sie ihren Halbmarathon beendet hatten. Das gab Schwung! Rechts in die Unversitätsstrasse, bei der wieder einmal ein Staffelwechsel anstand, zweimal links, dann folgten wir der Währinger Strasse mit ihren Universitätsinstituten. Vor der Volksoper bogen wir rechts ab, passierten links den Franz-Josefs-Bahnhof und übequerten schließlich auf der Friedensbrücke wieder den Donaukanal.

Zweieinhalb Kilometer ging es am Wasser entlang bis zum Praterstern, wo wir wieder die Prater Hauptallee entlang liefen. Diesmal waren allerdings auf der langen Geraden 4,4 km bis zum Lusthaus zu absolvieren. Unterbrochen wurde sie nur durch Jugendliche, die mit ihrem Verstärker uns etwas auf die Ohren gaben, sowie eine Zusatzschleife mit Wendepunkt am Ernst-Happel-Stadion. Auf den restlichen 2,5 km Kilometern entlang der Prater Hauptallee hatte man Gelegenheit, Läufern zu begegnen, die bereits bei km 35 angelangt waren. Da musste man tapfer sein. Aber nach dem Umrunden des Lusthauses ging es wieder zurück und bei km 35 verließen auch wir den Prater.

Jetzt war die Strecke die gleiche wie bei km 5 bis 8 – am Donaukanal entlang, bis zur Franzensbrücke, die uns ans andere Ufer brachte. Richtung Zentrum passierten wir das Zollamt und bei km 40 den Bahnhof Wien Mitte. Jetzt gab es erstmals wieder mehr Zuschauer. Die vom Veranstalter avisierte Zahl von 1 Million war wohl nur Wunschdenken.

An der Staatsoper bei km 41 durften auch wir jetzt geradeaus Richtung Ziel laufen. Links das Museumsquartier, rechts der Heldenplatz, wo sich in der Vergangenheit das Ziel befand, links das Parlamentsgebäude, rechts der Volksgarten, dann kam das Rathaus links in Sicht. Hier gab es auch erstmals wieder Cheerleader, die man unterwegs nur selten erblickte. Gegenüber dem Burgtheater, das Namensgeber für den Titel ’Theater der Emotionen’ war, lief ich die letzten 200 m auf rotem Teppich mit hoch gereckten Armen voller Emotionen ins Ziel. Mit meiner Zeit von   04:34:57   bin ich in Anbetracht der mitunter schwierigen Bedingungen zufrieden. In Streckenabschnitten, die nicht windgeschützt lagen, traten mitunter Windböen bis zu 45 km/h auf.

Der starke Wind verhinderte auch eine mögliche Verbesserung des 16 Jahre alten Streckenrekordes der Frauen. 

 

Hier gab es folgende Ergebnisse:

1. Shuko Genemo (ETH) 2:24:31
2. Ruti Aga (ETH) 2:25:27
3. Doris Changeywo (KEN) 2:31:50

 

Bei den Männern war der Ausgang des Marathons bis km 35 gänzlich offen. Doch gerade in der schwierigsten Phase des Marathons, wo der Nordwest-Wind den Läufern direkt ins Gesicht blies, musste die Entscheidung um den Sieg fallen.

 

Der Zieleinlauf war dann entsprechend knapp und emotional:

1. Robert Chemosin (KEN) 2:09:48
2. Charles Cheruiyot (KEN) 2:10:09
3. Suleiman Simotwo (KEN) 2:10:15

 

Insgesamt kamen von 9418 gemeldeten Marathonläufern 6483 ins Ziel.

Dort gab es dann eine außergewöhnliche sternförmige Medaille aus schwerem Messing, verziert mit einem eingearbeitetem Swarovski-Stein. Vermisst habe ich allerdings den Glückwunsch des Mannes, der mir diese umhängte. Jeder bekam eine Flasche Wasser in die Hand gedrückt, konnte sich ein Erdinger nehmen und erhielt schließlich einen ausreichend bestückten Verpflegungsbeutel. Ich ließ mir eine Wärmefolie umhängen und steuerte den LKW mit meinem Kleiderbeutel an. Die Schlange am Massagezelt wurde gut organisiert abgearbeitet, und ich machte mich anschließend auf die Suche nach den Armeezelten mit den Duschen. Für Damen hatte man einen hier einen längeren (Um-)weg vorgesehen. Etwas seltsam mutete es an, dass in besagtes Damen-Duschzelt völlig unerwartet ein Soldat in voller Montur auf Stiefeln in kompletter Länge das Zelt hin und zurück durchschritt. Als ich später die vor dem Eingang wartenden jungen Soldaten dazu befragte, erklärten sie, es wäre ihr Vorgesetzter gewesen.

Abends trafen wir uns zum gemeinsamen Abendessen im Restaurant "Figlmüller", in dem Marc Fuchs in weiser Voraussicht schon lange im voraus einen Tisch bestellt hatte, und feierten mit einigen ‚Fans’ den für alle erfolgreichen Tag.

Fazit:

’Theater der Emotionen’ – das trifft es wohl angesichts der seltenen Hotspots, Musik, Zuschauer nicht, aber die beeindruckende Kulisse ist allein eine Reise wert.

Der 34. Vienna City Marathon findet am 23. April 2017 statt.

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